Cellitinneninstitut

Ergebnisse

Die Einführung von DCM-Beobachtungen hat in den beiden Modellhäusern zu einer sichtbaren Bewusstseinsveränderung bei den Mitarbeitern geführt. Ihre Bereitschaft, sich konstruktiv mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen, um sich im Sinne der personenzentrierten Pflege weiterzuentwickeln, wurde im Verlauf des Projektes immer größer. Insbesondere trugen hierzu das Feedbackgespräch und die anschließende Handlungsplanung bei. Hierbei wurde die Aufmerksamkeit auf die Ressourcen und die Bedürfnisse der einzelnen Bewohner gelegt, so dass ein Team ganz konkrete Maßnahmen erarbeitet, mit dem Ziel, das Wohlbefinden der Bewohner zu steigern.  Die Entwicklung der WIB-Werte als auch die Vielfalt in den Verhaltenskategorien nahmen insgesamt einen positiven Verlauf.

Die zeitgleiche Implementierung des mäeutischen Konzeptes wirkte sich ausgesprochen unterstützend aus, da die Mitarbeiter hier die verschiedenen Methoden und Techniken kennen lernten, um letztlich eine Beziehung zum Bewohner aufbauen zu können. Als wichtigstes Instrument der erlebensorientierten Pflege soll an dieser Stelle die Bewohnerfallbesprechung genannt werden, bei der die Mitarbeiter in einer strukturierten Form die individuelle Situation des Bewohners wertschätzend darlegen und eine Umgangsempfehlung erarbeiten. Hierbei werden positive Erfahrungen einzelner herausgearbeitet und allen Mitarbeitern als Hilfestellung zum Umgang mit dem Bewohner zur Verfügung gestellt. Letztendlich werden sowohl das Erleben des Bewohners als auch die Umgangsempfehlung in die Pflegeplanung integriert. Die Bewohnerfallbesprechung dauert 45 Minuten und wird durch einen hierfür speziell geschulten Mitarbeiter moderiert. Die Kommunikationsbasis innerhalb des Seniorenhauses erweiterte sich, indem auch mit den anderen Hausbereichen wie z. B. Sozial-Kultureller-Bereich, Hauswirtschaft, Küche oder Haustechnik über Demenz und demenzbetroffene Bewohner gesprochen wird. Zudem sollte auch Mitarbeiter aller Hausbereiche an der Bewohnerfallbesprechung teilnehmen, die eine Beziehung zum Bewohner aufgebaut haben.  

Um die Ergebnisse aus dem Projekt aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, wurde eine Projektevaluation eigeninitiativ realisiert. Im letzten Drittel der Projektzeit wurde eine Befragung der Angehörigen durchgeführt, um deren Meinung zu erfassen. Es wurde deutlich, dass die meisten das Projekt als Bereicherung wahrnahmen. Sehr positiv wurde festgestellt, dass z. B. mehr Ausgeglichenheit und Zufriedenheit, bei den eigenen, im Seniorenhaus lebenden Angehörigen, bemerkt wurden. Ebenso zufrieden äußerten sich die Angehörigen darüber, dass sich ihre Kenntnisse über die Demenzerkrankung verbessert hätten. Auch die Einbeziehung biografischer Daten in die Pflege fand insgesamt Anerkennung. Aussagen zu den Spannungen zwischen dementen und nicht dementen Menschen sind aufschlussreich in Bezug auf das integrative Konzept der beiden Seniorenhäuser. Es wurde die Notwendigkeit offensichtlich, weitere konzeptionelle Überlegungen anzustellen, um ein entspanntes und sicheres Wohnen für alle Bewohner zu gewährleisten. Der Wunsch aller Angehörigen nach Fortführung des Projektes zeigt deutlich, wie wichtig es ist, gerade sie in dem oftmals schwierigen Prozess zu unterstützen. Einige Angehörigen haben darüber hinaus signalisiert, dass sie gerne dazu bereit wären, sich in irgendeiner Form am Tagesablauf im Seniorenhaus zu beteiligen. Hier wird deutlich, dass Angehörige nicht nur als Besucher, sondern auch als ’Mitwirkende’ oder Partner gesehen werden wollen.

Ebenso wurden auch die Mitarbeiter zum Projekt befragt, und zwar mithilfe eines bereits in den Niederlanden erprobten und evaluierten Fragebogens (EUD-Liste), der von Dr. Cora van der Kooij entwickelt wurde.  Es handelt sich hierbei um eine Selbstbeurteilungsliste, die sowohl nach als auch vor der Implementierung des mäeutischen Modells, die Anwendung erlebensorientierter Umgangstechniken erfragt. Die Auswertung ergab, dass durch die Fortbildungen Fachwissen und Fertigkeiten bezüglich des Umgangs mit dementen Menschen zugenommen haben. Dabei gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Seniorenhäusern.
Zusätzlich zur EUD-Liste wurden 15 offene Fragen erarbeitet, die Aussagen zum Implementierungsprozess von DCM und Mäeutik sowie zu einzelnen Interventionen liefern sollten.

Die Auswertung ergab u.a. folgende Ergebnisse:

Die Inhalte der ’Integrativen Validation’ sind für die Mitarbeiter vor allem dann hilfreich, wenn auf schlechte Stimmungen und auf gefühlsintensive Reaktionen der Bewohner oder auch auf Krisensituationen eingegangen werden muss. Die Fortbildung ’Kommunikation mit gerontopsychiatrisch veränderten Bewohnern’ vermittelte, wie sich durch das bewusste aktive Zuhören Missverständnisse vermeiden lassen, wodurch sich der Kontakt zu Bewohnern und Kollegen verbessert hat. Die meisten Mitarbeiter erlebten die nicht teilnehmenden DCM-Beobachtungen als sehr positiv, hilfreich und intensiv. Eine Hilfestellung erfuhren die Mitarbeiter vor allem dadurch, dass:

  • externe Beobachter mehr sehen als die Mitarbeiter selbst,
  • vieles bewusster geworden ist, wie z. B., dass mehr Zeit in der Wohnküche bei den Bewohnern verbracht oder die Begrüßung der Bewohner im Wohnzimmer untereinander (lebendige Mitte) angeleitet werden muss.

Die meisten Mitarbeiter waren der Ansicht, dass sie sicherer und sensibler geworden seien und nannten dafür u.a. folgende Beispiele:

  • die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner werden schneller erkannt,
  • der Umgang mit Krisensituationen (Hinlauftendenz, Unruhe) hat sich verbessert,
  • die Gefühle der Bewohner werden besser wahrgenommen.

Bezüglich der Frage, ob durch die Fortbildungen mehr Zufriedenheit im Arbeitsalltag erlebt werde, bejahten dies die meisten mit folgenden Begründungen:

  • Vermehrtes Wissen zum Umgang mit den Bewohnern erleichtert die Arbeit,
  • das Wissen um die Gefühlswelt der Bewohner hat auch einen besseren Umgang mit den eigenen Gefühlen zur Folge.

Die Erfahrungen aus diesem Modellprojekt lassen den Rückschluss zu, dass sich die Methode DCM und das Modell der Mäeutik sehr gut ergänzen. Die Mitarbeiter bestätigten dies, indem sie z.B. angeben, dass durch die intensive Beobachtung eine bessere Betreuung und Pflege möglich ist. Ihrer Meinung nach erfasst DCM, ob und in welcher Art und Weise die Mäeutik eingesetzt wird.

Der ausführliche Abschlußbericht, in dem insbesondere die inhaltliche Arbeit sowie die Ergebnisse des Projektes detailliert dargestellt wurden, liegt der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW vor.
 

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